Querschnittgelähmtenzentrum

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Chefarzt und Ärztlicher Direktor:

Prof. Dr. med. Thomas Platz

Facharzt für Neurologie
Rehabilitationswesen, Klinische Geriatrie,
Ärztliches Qualitätsmanagement

Ltd. Oberarzt: Dr. med. Jörn Bremer

Bettenzahl:

61 Betten

Behandelt werden Patienten

  • mit unfall- oder erkrankungsbedingten Schädigungen des Rückenmarkes aller Läsionshöhen einschließlich beatmungspflichtiger Halsmarklähmung im Rahmen der Erstbehandlung, lebenslangen Nachsorge und Komplikationsbehandlung

Ziel der Behandlung:

  • Wiedererlangung der weitestgehenden Selbständigkeit
  • soziale und berufliche Wiedereingliederung unter den bestmöglichen Lebens- und Arbeitsbedingungen

Wichtige Merkmale:

  • Aufnahme der Patienten unmittelbar im Anschluß an die Akutversorgung, bereits in der intensivmedizinischen Phase, auch bei Beatmungspflicht
  • Behandlung aller lähmungstypischen Komplikationen ist durch Kooperation mit den medizinischen Einrichtungen der Universität gesichert: z. B. operative Entfernung gelenknaher, funktionsbehindernder Weichteilverknöcherungen, plastisch-chirurgische Eingriffe bei Decubitalulcera oder auch spezielle Maßnahmen bei extremer Spastik durch chirurgische Muskel- und Sehneneingriffe bzw. rückenmarknahe Medikamentenapplikation
  • individuelle Hilfsmittelanpassung, Einleitung weitergehender Wohnungsfürsorge und Berufshilfe
  • neuro-urologische Untersuchungen in der BDH-Klinik Greifswald gewährleisten eine effektive Behandlung der neurogenen Blasenlähmung zur Prophylaxe von Spätschäden des harnableitenden Systems

Behandlungszentrum für Querschnittgelähmte Mecklenburg-Vorpommern

Querschnittlähmungen resultieren aus einer unvollständigen oder vollständigen Schädigung des Rückenmark-Querschnittes. Sie stellen für die Betroffenen einen schwerwiegenden Verlust ihrer körperlichen Integrität dar. Unfälle mit einer Bruchschädigung der Wirbelsäule stellen nach wie vor die Hauptursache dar neben Erkrankungen und Tumoren.

In der Bundesrepublik leben z. Zt. über 40 000 Querschnittgelähmte. Aufgabe der spezialisierten Behandlungszentren ist es, neben einer zeitgemäßen medizinischen Versorgung das Ausmaß der Verletzungs- oder Erkrankungsfolgen durch den Einsatz aller erforderlichen konservativen und operativen Methoden zu mindern. Die Patienten sollen trotz der Lähmung eine weitestgehende Selbständigkeit und Unabhängigkeit von der Hilfe anderer erreichen.

Als erstes Zentrum dieser Art im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ist die Abteilung auf die Behandlung von derzeit 55 Patienten ausgelegt. Es besteht uneingeschränkt die Möglichkeit, die Behandlung bereits in anderen Kliniken vorbehandelter Patienten durchzuführen oder diese aufgrund aufgetretener Komplikationen aufzunehmen. Die Übernahme ist bereits in der intensivmedizinischen Phase möglich, selbst bei Beatmungspflicht. Auch Patienten, bei denen eine Langzeit- oder Dauerbeatmung erforderlich wird, können in medizintechnisch entsprechend ausgestatteten Räumen behandelt werden.

Den Patienten stehen großzügige funktionsgerechte Zimmer zur Verfügung, die mit Fernseh- und Telefonanschlüssen ausgestattet sind. Integriert ist jeweils ein geräumiger, rollstuhlgerechter Sanitärbereich mit Duschplatz.

Jede Station verfügt daneben über zentrale Bäder bzw. Duschen und - zur Förderung der Kommunikation auf Stationsebene - über Therapie- und Aufenthaltsräume. Den Speisesaal der Klinik können Patienten und Mitarbeiter gleichermaßen nutzen. Für Freizeitaktivitäten steht ein eigener Bereich zur Verfügung.

Für den neuro-urologische Bereich steht ein eigener, hochmoderner Untersuchungsraum zur Verfügung. Die Erkenntnisse und Fortschritte gerade auf diesem Gebiet haben zu einer deutlichen Verlängerung der Lebenserwartung Querschnittgelähmter beigetragen. Neben der Behandlung urologischer Probleme werden auch Beratungen und Untersuchungen im Hinblick auf Störungen der Fortpflanzungsfähigkeit beim Mann infolge vorausgegangener Rückenmarkschädigung durchgeführt.

Operative Eingriffe wegen lähmungstypischer Komplikationen erfolgen in Kooperation mit der Universitätsklinik Greifswald. Neben der operativen Behandlung von Extremitätenverletzungen bei Querschnittgelähmten sind auch die Versorgung ausgedehnter Druckgeschwüre, die Entfernung funktionsbehindernder Weichteilverknöcherungen und die operative Behandlung der extremen Spastik sowohl durch Muskel- und Sehneneingriffe wie auch durch die Implantation von Medikamentenpumpen, möglich. Zum frühestmöglichen Zeitpunkt können die Patienten nach derartigen Eingriffen wieder in das Behandlungszentrum für Querschnittgelähmte rückverlegt werden.

Querschnittgelähmte Patienten, bei denen gleichzeitig Folgen einer Schädel-Hirn-Verletzung vorliegen, werden in der BDH-Klinik Greifswald unter Einsatz modernster Methoden behandelt, da der Indikationsbereich der Abteilung für Neurologische Frührehabilitation Erkrankungen und Schädigungen des Gehirns aller Schweregrade umfaßt und auch Patienten mit schwersten Bewußtseinsstörungen einschließt.

Die therapeutischen Bereiche sind sowohl hinsichtlich der Grundfläche wie auch der Mitarbeiterzahl großzügig bemessen.- Ziele der krankengymnastischen Behandlung in der Akutphase sind die Unterstützung der Atemfunktion und die Kontrakturprophylaxe. Differenzierte Therapieformen wie z. B. PNF, Vojta und Laufbandtraining werden mit zunehmender Selbständigkeit der Patienten ebenso erforderlich wie die sachgerechte Auswahl entsprechender Hilfsmittel.

Mit funktionellem Training werden im Bereich der Ergotherapie Übungsbehandlungen zur Förderung der Selbsthilfe durchgeführt und durch Anpassung geeigneter Hilfsmittel ergänzt.

Die Aufgaben des psychologischen Dienstes liegen in der Lösung individueller Probleme der Patienten, jedoch auch in der Vorbereitung der Mitarbeiter auf ihre Aufgaben und Unterstützung ihrer Tätigkeit.

Zur Beratung der Patienten und Durchsetzung ihrer Ansprüche in allen sozialen Problemen steht ein qualifizierter Sozialdienst zur Verfügung.

Zur Reintegration in ihr soziales Umfeld ist eine Kommission zur Wiedereingliederung Querschnittgelähmter eingerichtet, die individuelle Wiedereingliederungsvorschläge erarbeitet, um diese in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Kostenträgern zu realisieren. Für weitergehende berufliche Rehabilitationsmaßnahmen steht in unmittelbarer Nachbarschaft der BDH-Klinik Greifswald ein hochmodernes Berufsbildungswerk zur Verfügung. Umschulungsmaßnahmen auch für schwer Körperbehinderte werden im Berufsförderungswerk Stralsund angeboten.

Zur Sicherstellung einer ausreichenden Mobilität kann durch behindertengerechten Fahrunterricht mit einer kooperierenden Fahrschule die Grundlage für eine spätere, selbständige Kfz-Nutzung gelegt werden.